Biontech-Auffrischimpfung: demnächst durchführen oder besser abwarten?

 

letztes Update 23.01.22: Nach Stand der Dinge Ende Januar ´22 haben wir einzig die individuelle Wahl, uns entweder geimpft oder ungeimpft ins Omikron-Gemenge zu werfen. Deshalb raten wir zur Impfung mit gegenwärtig maximalem Schutz: JA zur Boosterung und diese entgegen Empfehlungen im letzten Jahr zum frühest möglichen Zeitpunkt. (siehe auch unter →“Wie kann es weiter gehen?“)

Update 09.02.22: In den aktuell besonderen Fällen einer Impfung nur 3 Monate nach Infektion (aufgrund des ablaufenden Genesenenstatus) empfehlen wir eine individuelle Beratung in der Sprechstunde.

 

Fassung vom 01.12.2021:

Entgegen medialem Pessimismus besteht kein realer Grund zur Panik. Die vierte Welle ist in erster Linie ein Problem der komplett ungeimpften Erwachsenen. Hospitalisierungen werden überwiegend durch sie herbeigeführt. Es ist jedoch mit einem altersabhängig zunehmenden Anteil Über-60-Jähriger trotz doppelter Impfung zu rechnen. Geimpfte Unter-60-Jährige sind hingegen extrem selten auf Intensivstationen zu behandeln.

Ziel der Impfungen sind nicht andauernd negative Tests. Vielmehr sollen schwere Verläufe (Hospitalisierungen) von Infektionen vermieden werden. Dies ist nach Doppelimpfung altersabhängig zu beurteilen.

Eine aktuelle schwedische Studie mit je 800.000 Geimpften und Ungeimpften zeigt, dass einerseits die Wirksamkeit des Impfstoffs gegen eine symptomatische Covid-19-Infektion (d.h. ohne stationäre Therapie) im Laufe der Zeit in allen Untergruppen allmählich abnimmt. Andererseits scheint die Wirksamkeit gegen schwere Erkrankungen über 9 Monate hoch zu bleiben – jedoch nicht bei (insbesondere männlichen) älteren gebrechlichen Personen und Personen mit schweren Vorerkrankungen. Hier nahm die Wirksamkeit gegen schwere Erkrankungen von 89% nach 1 Monat auf 42% nach 6 Monaten ab. (→link schwedische Studie 25.10.2021)

Einer aktuellen israelischen Studie zufolge bietet eine Auffrischimpfung älteren Menschen >60 einen deutlich höheren Schutz vor einer Ansteckung und schweren Erkrankung. Von mehr als 700.000 doppelt Geimpften >60, die an der Untersuchung teilnahmen, kamen 231 Menschen trotz Impfung ins Krankenhaus (1 von 3000 oder 0,033%). Von der gleichen Anzahl an Studienteilnehmern, die eine Auffrischungsimpfung erhalten hatten, kamen hingegen nur 29 Menschen ins Krankenhaus (1 von 24000 bzw. 0,004%). (→link israelische Studie 07.10.2021)

Das würde statistisch runtergebrochen auf Rostock ungefähr bedeuten: Von ca. 63.000 Rostockern älter als 60 J. kämen trotz Doppelimpfung 21 Mitmenschen ins Krankenhaus. Durch eine Auffrischimpfung würde diese Quote auf 3 Mitmenschen sinken. In jüngeren Bevölkerungsgruppen sind niedrigere Zahlen anzunehmen (hier liegen keine Studienergebnisse vor).

Es besteht somit kein realer Grund zur Panik. In der Entscheidungsfindung sollten individuelle Gegebenheiten berücksichtigt werden. Dabei gilt es für uns mal wieder in dieser Pandemie, aus unterschiedlichen Empfehlungen einen eigenen Weg zu entwickeln. Eine pauschale Richtlinie gibt es nicht. Wir schlagen folgende Vorgehensweise vor:

Älteren Mitmenschen ist eine Auffrischung nach 6 Monaten eindeutig anzuraten. Pauschal kann man formulieren: das trifft jetzt für alle ab ∼60 zu.

Auch chronisch erkrankten Mitmenschen ist jetzt eine Boosterung zu empfehlen.

Mitmenschen mit anhaltender Angst vor einer Corona-Erkrankung würden durch eine dritte Impfung Sicherheit gewinnen.

Alle anderen Mitmenschen folgen erneut dem eigenen Bauchgefühl. Es besteht keine einheitliche Altersvorgabe. Wenn Sie sich mit der Impfung sicher sind – einfach machen. Sollten Sie unsicher sein, kann eine Antikörperbestimmung vor einer Auffrischimpfung hilfreich für Ihre Entscheidungsfindung sein. Wenn ein niedriger Antikörpertiter vorliegt – macht man mit der Auffrischimpfung wahrscheinlich wenig falsch. Wenn ein hoher Antikörpertiter vorliegt – wäre doch das eigentliche Impf-Ziel bereits erreicht?! Möglicherweise treten dann auch eher Impfreaktionen auf. Man könnte so begründet abwarten und diese Diagnostik nach weiteren 2 Monaten wiederholen. Auf dem persönlichen Antikörper-Status beruhend ist somit eine individuelle Vorgehensweise möglich. Bisher ist die Antikörper-Bestimmung keine Kassenleistung. Die Laborkosten dafür halten sich jedoch mit 17,50 € im angemessenen Rahmen. Für eine Blutentnahme können Sie sich zu den Sprechzeiten in der Praxis melden. Dies ist sowohl vor- als auch nachmittags möglich, da die Untersuchung unabhängig von Nahrungsaufnahme funktioniert.

Unsere Empfehlungen können nicht auf wissenschaftlichen Daten beruhen – da zum jetzigen Zeitpunkt einfach keine vorliegen. Trotzdem versuchen wir anhand beispielhafter Antikörpertiter eine Entscheidungshilfe zu formulieren:

als Ausgangslage beträgt  der Mindestwert  > 7  BAU/ml   (BAU = Binding Antibody Units)

wenn der eigene Wert < 100 BAU/ml liegt: ist eine Auffrischimpfung zum nächstmöglichen Zeitpunkt anzuraten

wenn der eigene Wert zwischen 100-200 BAU/ml liegt: empfehlen wir eine Auffrischimpfung in den folgenden 4-8 Wochen

wenn der eigene Wert > 200 BAU/ml liegt: ist abwarten von ca. 2 Monaten begründet möglich – entweder dann erneute Antikörper-Bestimmung oder impfen

Beispiel Dr. Kringel: am 08.11. Antikörpertiter 6 Monate nach Zweitimpfung 83 BAU/ml → eine eigene Gefährdung sehe ich nach Doppelimpfung nicht; aufgrund Übertragungspotential bei Kontakten mit älteren Mitmenschen Boosterung notwendig.

Zusatzhinweis: Es besteht zumindest keine amtlich begründete Eile für eine Auffrischimpfung – da der digitale Impfpass als Dokument innerhalb der EU eine Gültigkeit von 9 Monaten hat. (Stand 26.11.21) (→link)

Impftermine können →ONLINE gebucht werden. Sollten Über-60-Jährige keinen rechtzeitigen Termin erhalten – informieren Sie uns bitte! Mit einer Impfung erhalten Sie gleichzeitig einen QR-Code für den digitalen Impfnachweis. Impf-Formulare sind nur bei Erstbesuch in unserer Praxis notwendig : →Vorbereitung zum Impftermin.