Erfahrungsbericht Dr. Kringel

(verfasst am 17.3.2021)

Oft werde ich nach meinem Standpunkt zur Corona-Impfung gefragt. Dem mir als Hausarzt entgegengebrachten Vertrauen versuche ich gerecht zu werden. Deshalb teile ich hier meine Erfahrungen. Ich hoffe, es hilft Ihnen in Ihrem weiteren Vorgehen.

Im Gegensatz zu jeder Grippe hatte ich bei Corona nie die unerschütterliche Sicherheit, dass mein Immunsystem das problemlos bewältigen würde. Durch regelmäßige Konfrontation mit Corona-Schicksalen in der Sprechstunde wuchs die Bedrohung eher von Monat zu Monat. Gutgemeinte Aufforderungen, sich nicht von Angst lenken zu lassen, halfen nicht wirklich. Ich konnte die Impfung kaum erwarten.

Seit Mitte Februar gehörten Mitarbeiter*innen in Hausarztpraxen zur Gruppe mit Impfberechtigung. Meine Erstimpfung mit Astra-Zeneca erfolgte am 26.Februar. Meiner Logik folgend braucht es 14 Tage für den schrittweisen Aufbau eines ausreichenden Immunschutzes wie beispielsweise bei der Hepatitis-Reiseimpfung. Nur 3 Tage nach der Impfung hätte ich mich in der Sprechstunde fast infiziert, als ich beim Ausführen eines später positiven Rachenabstrichs kräftig angehustet wurde. Es folgten tägliche Schnelltests und Bangen, auf den letzten Metern doch noch zu erkranken. Genau 14 Tage nach Impfung ließ ich mein Blut auf Antikörper testen. Das Ergebnis ließ 5 lange Tage auf sich warten – war aber positiv im Sinne von „Schutz ab sofort gegeben“!

Schwarz auf weiß die Aussicht, dass ich sehr wahrscheinlich in den jetzt kommenden Monaten nicht von Corona geschädigt werden kann. In mir kam eine Erleichterung auf, wie ich sie Jahre nicht kannte. Ich empfinde anhaltend Dankbarkeit, dass ich diesen Impfstoff erhalten durfte. Mir blieben Nebenwirkungen zum Glück erspart. Zum jetzigen Zeitpunkt weiß ich auch noch nicht, wann und womit eine Zweitimpfung erfolgen wird. Ich habe aber mindestens 3 Monate Zeit, um eine pragmatische Lösung zu finden, da erst dann ein Rückgang des Immunschutzes anzunehmen ist.

Mein Fazit – ich würde diese Impfung wieder nehmen. (Update am 18.4.2021: auch nach den Erkenntnissen von Impfnebenwirkungen würde ich sie wieder nehmen, da ich Altersgruppe ü50 bin und mein Instinkt nach wie vor Corona mehr misstraut als der Astra-Zeneca-Impfung. Die jüngeren Praxismitarbeiter*innen würden hingegen zögern. Deshalb empfehlen wir eine sorgfältige individuelle →Risikoanalyse)

Abschließend rufe ich zum Handeln auf. Wir müssen irgendwie auf 70-80 % Immunität kommen. Die lange niedrigen Zahlen in Rostock haben leider zur Folge, dass der Weg zu dieser Herdenimmunität noch länger als anderswo ist. Außerdem wiegen wir uns hier nach wie vor in trügerischer Sicherheit. Es mangelt im Gegensatz zu anderswo an fühlbar dichten Einschlägen. Zu wenige kennen Einzelschicksale auf Corona-Stationen in der Universitätsklinik oder im Südstadt-Klinikum – fragen Sie doch mal nach!

Was tun? Uns bleibt nur impfen oder infizieren. Letzteres kann ich nicht ernsthaft empfehlen. Sollte für Sie eine Infektion dennoch die bessere Alternative darstellen, ziehen Sie es bitte isoliert und kontrolliert in Quarantäne durch. Niemand darf dadurch gefährdet werden.

Aber nur REDEN und DISKUTIEREN und ABWARTEN reicht nicht! Weder wir noch unsere Kinder werden dadurch die Masken los. Wir müssen HANDELN, um diesen Albtraum zu beenden. Sobald sich Ihnen irgendeine Möglichkeit bietet – lassen Sie sich impfen!

→Update 22.5.2021: meine gemessenen Antikörperwerte nach einer Astra-Zeneca-Impfung

  •   nötige Anzahl für Schutz:  >35
  •   2 Wochen nach Impfung:    40
  •   6 Wochen nach Impfung:  378
  • 12 Wochen nach Impfung:  112

Daraus schlussfolgere ich, dass nach 12 Wochen der ideale Zeitpunkt für die Zweitimpfung gekommen ist. Kürzlich ergab eine erste Studie aus Spanien, dass heterologes Impfen (die Gabe von zuerst Vektor- und dann mRNA-Impfstoff) eine deutlich höhere Impfwirkung als homologes Impfen erzielt (2x Vektor-  oder  2x mRNA-Impfstoff). Darauf beruhend entscheide ich mich jetzt für heterologes Impfen und somit für BIONTECH als Zweitimpfung.