Risikoanalyse Johnson&Johnson

 

Nach der Impfung von Johnson&Johnson-Impfstoff kann es wie bei Astra-Zeneca-Impfstoff in seltenen Fällen zu einer folgenschweren Immunfehlreaktion kommen. In der Folge können Thrombozytopenien (Mangel an Blutplättchen) und Thrombosen (Gefäßverstopfung – insbesondere der Hirnvenen) auftreten. Der Mechanismus ähnelt dem einer Heparin-induzierten Thrombozytopenie (Mittel zur Blutverdünnung).

Die University of Cambridge zeigte durch Auswertung des in Großbritannien seit Ende 2020 verwendeten Impfstoffs folgende Gefährdungslage: Bezogen auf 100.000 Menschen mit einem mittleren COVID-Risiko bei mäßiger Inzidenz überwiegt in der Gruppe der über 30-jährigen der Nutzen das Risiko um mindestens das 10-fache. Statistiken sind immer zu hinterfragen! Grundsätzlich lässt sich jedoch konstatieren: mit steigender Inzidenz und zunehmendem Alter erhöht sich der Nutzen einer Impfung. (→link)

Beispiel: Zwischen 40 – 49 Jahren kommt es in der Anwendung von Vektorimpfstoff bei 0.5 von 100.000 Menschen zur Komplikation Hirnvenenthrombose. Bei einer Inzidenz von 20 (gegenwärtig in Rostock 7) wird bei COVID-Infektion bei 5.7 von 100.000 Menschen eine Behandlung auf Intensivstation notwendig. Das entspricht einem Verhältnis Nutzen-vs-Risiko von 11:1.

Die durch J&J- oder A-Z-Impfung eher geschädigte Altersgruppe sind die 20 – 29-jährigen bei niedriger Fallzahl. Aufgrund dieser Erkenntnisse raten wir grundsätzlich von einer J&J- oder A-Z-Impfung unter 30 ab. In der Altersgruppe 30 – 39 Jahre muss man abhängig von der aktuellen Inzidenz gemeinsam gut abwägen.

Eine Entscheidung pro Impfung sollte auf einem Verhältnis Nutzen-vs-Risiko von mindestens 3:1 basieren. Auf diesen Fakten beruhend leitet sich unser Vorgehen wie folgt her:

NICHT GEEIGNET für die Johnson&Johnson-Impfung sind Menschen mit:

  • Thrombozytopenie
  • bereits durchlebter Heparin-Reaktion
  • zu vielen Vorerkrankungen
  • Angst vor der Impfung
  • allgemein Menschen unter 30 Jahren

GEEIGNET für die Johnson&Johnson-Impfung sind:

  • Menschen ab 30 – nach individueller Risikoanalyse. Dabei gilt: je jünger – je bedachteres Vorgehen
  • alle sollen notwendigen Respekt – aber keine Angst vor der Impfung haben

SICHERHEIT hinsichtlich einer Thrombozytopenie nach der Impfung können wir durch eine Laborprobe erreichen: anhand eines kleinen Blutbildes 2-6 Tage nach der Impfung lassen sich erste Anzeichen einer Verringerung der Thrombozytenanzahl erkennen. In diesem Fall würde umgehend reagiert und sofort weiterführende Diagnostik und Therapie veranlasst werden. Im Zeitraum Tag 5-14 nach Impfung sollte außerdem jedes unklare Druckgefühl oder Schmerzempfinden – egal wo lokalisiert – umgehend ärztlich beurteilt werden. Auch dann besteht durch die jetzt entwickelte Aufmerksamkeit ausreichend Zeit, entstehende Thrombosen sofort zu erkennen und adäquat zu behandeln ohne dass Folgeschäden entstehen. Das ist der entscheidende Unterschied im Vergleich zur unbekannten Situation im Februar-März.

Eindeutiger Vorteil der J&J-Impfung ist die nur ein einziges Mal nötige Impfung.

Das Wichtigste ist nach wie vor, so schnell wie möglich eine Impfung zu erhalten und aus der Gefahrenzone zu kommen – egal was danach folgt. (→Erfahrungsbericht Dr. Kringel)